Sonntag, 19. April 2015

Für immer vielleicht...

...oder die Frage nach einem zeitgemäßen Lebensmodell


Zeitschriften mag ich ja. Und da ich in den letzten Wochen viel Zeit auf Bahnhöfen verbracht habe, hatte ich ausreichend Zeit zu stöbern und für mich neue Magazine zu entdecken. Positiv aufgefallen ist mir die aktuelle Ausgabe der Jolie im Pad-Format: handlich, ansprechend und in einer überaus guten Papierqualität mit einer für mich optimalen Mischung aus Mode, Trend, Inspiration und Stories. In der zweiten Hälfte ein Artikel über das Konzept Hochzeit und ewige Liebe "Für immer vielleicht", eine interessante Betrachtung über und nach der Frage eines zeitgemäßen Lebens- oder Liebesmodell. Ist heiraten hipp, altbacken, ein romantisches Klischee oder die letzte, beständige Exklusivität in unserer Welt im Wandel? 




Mit meiner Planung eines Lebensmodells war ich immer recht offen und aufgeschlossen, ich habe weder die Ehe noch ein Leben alleine ausgeschlossen. Eine lange Zeit allerdings hat mich heiraten einfach nicht interessiert, und ich war in den Jahren auf vielen tollen Hochzeiten eingeladen. Doch mit jedem Besuch einer perfekten Hochzeit, mit dem vollen Programm, den vielen Gästen, Kirche, Location, Kleid und Abendprogramm ist das ganze für mich immer weiter weg gerückt. Da war so wenig was mich selber angesprochen hat und eigentlich hatte ich innerlich an heiraten einen Haken gemacht. Rückblickend kann ich heute sagen, es war einfach der falsche Mann und nicht der richtige Platz für mich zum Leben. Auch wenn es eine Weile gedauert hat, letztlich mussten wir einsehen dass wir völlig unterschiedliche Erwartungen vom Leben haben und auch eine Traumhochzeit hätte uns nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Es wäre nur noch schwieriger geworden die Koffer zu packen.

Als ich gute zwei Jahre nach dieser Einsicht - für Freunde und Familie und auch für mich selber - relativ überraschend den Mann geheiratet habe war neben dem absoluten Unverständnis über die Winzigkeit der Hochzeit die zentrale Frage: "Musstest du heiraten? Bist du schwanger?". Nein, ich musste nicht. Ich war nicht schwanger, finanziell unabhängig mit gutem Job und eigenem Auto, konnte durchaus mit mir alleine sein und war handwerklich nicht unbegabt. Ohne Probleme hätte ich mich die nächsten Jahrzehnte alleine durchs Leben schlagen können, ich war weder auf steuerliche Vorteile angewiesen noch auf einen neuen Namen. Ich habe aus freien Stücken und nur mit einer Unterschrift in einem kleinen, hässlichen Standesamt irgendwo in Schleswig-Holstein in ein Leben zu zweit eingewilligt. Also offiziell, das Leben zu zweit hatten wir ja schon vorher. Und warum? Weil es sich richtig angefühlt hat, und dieses Gefühl seit diesem Tag anhält. Ich bin immer noch finanziell unabhängig, hab die gleiche Steuerklasse und den gleichen Namen wie all die Jahre zuvor. Ok, ich habe jetzt nen Mixer und eine sündhaft teure Küchenmaschine die wir uns wohl nicht so schnell gekauft hätten. Und zwei kleine, feine Nachhochzeitsfeiern mit einer Hand voll prima Gästen. Kein Kleid, keine Location, kein Perfekt. Aber wie hat mein Bruder gesagt:" das war so voll dein Leben". Und jetzt, eine gute Zeit danach ist die zentrale Frage:" Und hat sich was geändert seit ihr geheiratet habt?" Nein, hat es sich nicht. Ist immer noch voll mein Leben. Das Einzige das sich geändert hat gegenüber der letzten 20 Jahren ist, dass das Gefühl der Suche und der Getriebenheit gewichen ist. Einem wohligen und exklusiven Gefühl von Heimat. 

Ja, die Institution der Ehe wurde geschaffen als die Menschen nur gute 30 Jahre alt geworden sind, da war es halt auch leichter mit dem "bis das der Tod euch scheidet", gute 15 Jahre kann man es durchaus miteinander aushalten ohne sich überdurchschnittlich auf den Keks zu gehen. Wer heute seine Jugendliebe heiratet und es dann bis ans Ende des Lebens zusammen schafft, Hut ab. Das ist ne lange Zeit, eigentlich für immer, und kann sich sicher ganz schön ziehen. Und wahrscheinlich haben die Vielen recht, die das Ideal der großen Liebe für von Vorgestern halten und das Lebensmodell "Lebensabschnittsgefährte" als die Institution der Zukunft preisen. Und keiner weiß was kommt, 50 Jahre könne lang sein, die heutigen Möglichkeiten alles und eben auch jeden zu vergleichen, über Tinder, Datingseiten, Social Media und Co schüren eher das Gefühl etwas zu verpassen oder doch nicht den absolut perfekten Griff gemacht zu haben. Höher, schneller, weiter und besser greift heute eben auf fast alle im Leben. Das es viele Menschen gibt die das mit der Ehe ein zweites oder drittes mal versuchen, so what? Es ändert sich so viel im Leben bis man selbst einen sicheren Stand hat. Wahrscheinlich hat die Jolie recht, und die Ehe ist das letzte Gefühl von Exklusivität in unserer Zeit. Mir passt das gut, ich mag es exklusiv und freue mich darüber, dass die Zeit der inneren Unruhe vorbei ist. Ja klar, ist nicht lustig zum x-ten mal ohne Wasservorrat dazustehen, aber wer muss nicht dämlich grinsen wenn zuhause wie aus Zauberhand die Lieblingsblumen stehen? 




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