Freitag, 1. August 2014

Mein Freund der Konsum

Macht ein wenig Verzicht glücklich?


In unserer Familie gibt es den geflügelten Satz: "Geld muss fließen!"
Und danach leben wir, nicht seit Anbeginn der Zeit, wohl aber seit wir frei und in absoluter Selbstbestimmung leben. Obwohl es da mit den fetten Jahren erst mal vorbei war. Fließen bedeutet nicht, dass wir das Geld mit beiden Händen zum Fenster raus werfen, aber wir hängen auch nicht so sehr an ihm dass wir es stapeln oder Kissen und Matratzen damit füllen müssten. 
Wir gönnen uns den so genannten "Notluxus" - schöne, nicht zwingend benötigte aber doch heiß begehrte Dinge. Jeder von uns auf seine eigene Art.  Diese Art von Leben hat uns bisher keinen finanziellen Reichtum gebracht, es macht uns jedoch auch nicht arm. Aber glücklich und zufrieden.

Der Mann sagt, ich bin kaufsüchtig.
Das empfinde ich als leicht beleidigend. Kaufsüchtig sind Menschen die nächtelang vorm Teleshoppingkanal hängen und die fünfzehnte Heizdecke mit Leopardenmuster bestellen. Ich umgebe mich gerne mit schönen Dingen. Und ich bin sicher ein Genussmensch. Und ja, ich kaufe Sachen. Schöne, nicht zwingend benötigte und heiß begehrte Dinge. Nicht beim Teleshoppingkanal aber doch gerne im Netz. Nachdem kaufsüchtig ein paar Monate an mir genagt hat habe ich mir mehr und mehr Gedanken gemacht wo mein Geld eigentlich hin fließt. Früher, mit dem ersten richtigen Gehalt habe ich recht akribisch Buch geführt über meine Ausgaben, farblich aufgeteilt in Fixkosten, Essen, Kleidung, Vergnügen und Bücher. In den vergangenen Tagen habe ich im Kopf überschlagen wofür ich das meiste Geld ausgebe. Klar, Essen liegt hoch im Kurs, gerne auch Sachen die keiner kauft die aber doch von irgendwem probiert werden müssen. Essen muss doch jeder. Und immer wieder fließt einiges in eine bekannte Firma die ökologisch korrekte Seifen- und Kosmetikprodukte herstellt. Na, duschen sollte ja wohl auch jeder. Und Haare waschen, eincremen und so. Der größte Betrag fließt jeden Monat in Bücher und Zeitungen. Nach wie vor. Das ist so seid ich die Bibliothek als nicht mehr erstrebenswert, das Hamstern von Büchern dagegen als sehr erstrebenswert empfinde. Ich hab mal gelesen der Deutsche gibt im Durchschnitt ca. 240€ im Jahr für Bücher und Zeitschriften aus. Das Gefälle innerhalb der Republik ist hoch, kein wunder dass ich im Norden lebe denn die Hamburger hauen im Jahr am meisten für Bücher raus. Immerhin 130€. Im Jahr. 
Ist doch verrückt. Das sind nur etwa 14 Taschenbücher. Im Jahr! Nur vier und ein halbes hochwertiges Kochbuch. Oder etwa fünf gebundene Bücher. Im Jahr. Ich erwähne hier jetzt lieber nicht was ich im Monat für bedrucktes Papier bzw. Ebook-Formate ausgebe. Es ist viel. In einem Monat.

Ich habe beschlossen mal Abstand zu nehmen von meinem Freund dem Konsum. Etwas Abstand, so wie es in guten Beziehungen manchmal notwendig ist. Urlaub, irgendwie. Heute ist der erste August und ich werde einen Monat lang nur Geld für lebenserhaltende Dinge, Fixkosten und Zahnpasta ausgeben. EinzigesAusnahme soll die jährliche Inspektion sein, die bereits seit Wochen terminiert ist. Kein Kram aus dem Netz, keine fünfunddreißigste Teesorte, keinen Kaffee zum mitnehmen und vor allem keine Bücher. Ich fürchte die werden mir am meisten fehlen. Ich sehe es als Chance alte, vergrabene Schätze noch mal zu erlesen.
Und ausgerechnet heute zum Start waren wir in der Stadt unterwegs, sogar in meinem liebsten Buchladen. Ich hab zwar innerlich ein wenig geweint, bin aber standhaft geblieben. Auch im Duschgelgeschäft meines Vertrauens. Hab nur ein Shampoo gekauft. Das Alte hält nur noch für zwei mal Waschen. Ehrlich. Es hat sich gar nicht so schlecht angefühlt mit leeren Taschen nach hause zu kommen. Und ein bisschen stolz bin ich auch auf mich. Der Mann sowieso. Er freut sich über die kauffreien Tage die da kommen werden.

Er hat von seiner letzten Reise einen ziemlich hässlichen Frosch mitgebracht. Entdeckt in einem chinesischen Teehaus. Der Frosch hat eine Münze im Maul und stand dort auf einem der Tische auf denen eine chinesische Teezeremonie zubereitet wird. Nach jeder Zubereitung wurde ein Rest des Teewassers über den Frosch gekippt. Das bringt Glück und beschert Reichtum. Der Frosch steht jetzt im Regal auf dem Weg zum Flur. Jeden morgen streichle ich drüber. Vor allem für Glück, aber wer sagt schon nein zu Reichtum?

Der Mann kauft übrigens gerne Gitarren. Und elektronische Gimmicks sowie Kamerazubehör. Wie oft der dafür wohl den Frosch streichelt...













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