Sonntag, 27. April 2014

"Bretonische Brandung"

Ein Buch wie Urlaub


Ihr habt es sicher schon gemerkt, Maigret und meine Wochen mit ihm musste aussetzen. Das liegt nicht alleine daran, dass mir der Kommissar zuviel geworden ist, eher am immer größer werdenden Stapel noch nicht gelesener aber heiß begehrter Bücher und einer gewissen Panik den Überblick zu verlieren. Und Urlaub in den nur noch elektronische Bücher mitgenommen wurden, der Papier-Maigret musste somit daheim bleiben.

Wer "Bretonische Brandung" in die Hand nimmt sollte einen freien Tag vor sich haben, ich hab's in einem Rutsch gelesen und war total traurig als es schwups schon zu ende gelesen war. 

Der Fall:
Kommissar Dupin ist auch nach vier Jahren Einsatz in Concarneau immer noch "der Fremde aus Paris" und wird es wohl auch weiterhin bleiben, wer als Bretone gelten will muss einen reichen Stamm an bretonischen Vorfahren haben oder zumindest dort geboren sein. 
Drei angeschwemmte Leichen rufen den Kommissar auf die Glénan, eine sagenumwobene Inselgruppe vor der Küste. Nicht genug Koffein im Blut, eine Bootstour über den Atlantik in Aussicht und den übereifrigen Inspektor bereits am Tatort, der Tag fängt nicht gut an für Dupin - und es wird noch besser. Nur zwanzig Minuten von der Küste entfernt taucht er ein in eine völlig eigene, abgeschottete Welt, eine eingeschworene Gemeinschaft von Einzelgängern in der praktisch jeder ein Motiv hätte zumindest einen der Toten hops gehen zu lassen. Und wer die dritte Leiche ist bleibt erst einmal unklar. Klar wird Dupin aber ziemlich schnell dass es hier um mehr geht als ein paar Meinungsverschiedenheiten. Er befindet sich mitten unter Schatzsuchern, Meeresbiologen, Archäologen, Ökotourismus und einer legendären Segelschule die weit über die Grenzen der Glénan hinaus bekannt ist und hat das dringende Gefühl etwas zu übersehen. Auch wenn seine Inspektoren noch so penibel jede Kleinigkeit zusammentragen fehlt ein wichtiges Glied in der Kette. Und während der  Kommissar fieberhaft nach Verbindungen zwischen den Toten sucht zieht über den Inseln der nächste schwere Sturm auf.

Fazit:
Es klingt ein wenig wie "ein Mann am Ende der Welt" und so präsentiert sich der Kommissar auch gerne dem Leser, alleine unter Bretonen im Finistère, das schon die Römer als das Ende der Welt empfanden. Die Beschreibung der Küste, der Inseln und der Eigenarten der Bretonen an der Küste um Concarneau liest sich wunderbar echt, wie ein Film an den man sich gerne erinnert. Die Liebe liegt im Detail, im Essen und der Charaktere. Nicht so kühl wie die Skandinavier und nicht so technisch wie die Amis - ein fabelhafter Krimi. Spannung und eine gute Story, der Ausgang deutet sich erst spät an und eine mir sehr sympathische Hauptfigur, das alles in einem Stil verfasst dessen Umgang mit Sprache weit weg ist vom Hype um einen schnellen Bestseller. Bannalec kommt ohne große Grausamkeiten aus, man nimmt ihm alles ab, das komplette Buch bis zur letzten Seite. Zum Glück kommt der nächste Band bereits im Mai auf Deutsch heraus. Und wer Band eins noch nicht kennt hat ja was zum Überbrücken der Wartezeit.



Jean-Luc Bannalec
"Bretonische Brandung"
KiWi Paperback 2013
368 Seiten

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